Lenovo Yoga Tablet 10 Testbericht

Was kann ein Hersteller tun, um sich von der Masse der Android-Tablet-PCs abzuheben? Der chinesische Hersteller Lenovo macht es vor: Das Yoga Tablet 10 glänzt mit einem außergewöhnlichem und innovativen Design sowie einer für Android-Tablets ungewöhnlich langen Akku-Laufzeit. Gibt es Vor- oder Nachteile in der Haptik, und was hat das Tablet noch zu bieten?

Das Äußere

Auffällig präsentiert sich das Lenovo Yoga Tablet 10 im silbernen Look und erinnert damit in unserem Tablet Test instinktiv an ein Produkt aus dem Haus mit dem Apfel-Logo. Jedoch unterscheidet sich das Gehäuse von einem iPad aufgrund einer deutlich sichtbaren zylinderförmigen Auswuchtung an einer der beiden langen Seiten. In der Hand haltend, fallen zwei Dinge auf: Zum einen ist das 10,1-Zoll-Tablet mit 608 Gramm Gewicht deutlich schwerer als andere 10-Zoll-Tablets und zum anderen verteilt sich dieses Gewicht erstaunlich gut und fühlt sich überhaupt nicht so schwer an. Beim Halten des Tablets im Hochkant-Modus findet sich die Erklärung: Die Hand umschließt komplett diesen Zylinder, ähnlich wie beim Lesen eines Taschenbuches oder eines Magazins und damit verteilt sich das Gewicht gleichmäßig auf die Handfläche, während beim Halten eines „normalen“ Tablets das Gewicht lediglich auf den Fingerspitzen liegt. So liegt das Yoga beim Lesen fest in der Hand und es besteht keine Gefahr, dass das Tablet versehentlich aus der Hand rutschen könnte.

Der Klappständer

Lenovo hat diesen Zylinder Klappständer (Kickstand) genannt und ihm insgesamt drei Funktionen zugedacht: Hold, Tilt und Stand – Halten, Liegen und Stehen. Den Halten-Modus kennen wir bereits und er eignet sich vor allem zum entspannten Lesen und Internet-Surfen. Mit dem umgelegten Klappständer ist der Liegen-Modus perfekt zum Schreiben und Surfen im Internet, denn dabei liegt das Tablet leicht angewinkelt vor einem. Der Stand-Modus mit dem aufrecht stehenden Tablet-PC ist ideal zum Filme schauen, für Präsentationen oder einen Video-Chat. In der Praxis erweist sich das Android-Tablet als äußerst gelenkig und ist vielseitig einsetzbar. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist das Yoga Tablet einzigartig und wahrer Verwandlungskünstler, denn seine Bauweise ist anders als die bisheriger Tablet-PCs.

Verarbeitung und Akku

Von der Haptik, wie auch vom Äußeren, lässt die Verarbeitung des Tablets keinen Zweifel an der
Qualität aufkommen. Keine Spur von quietschendem Plastik oder schlechter Verarbeitung – kein Wunder, denn das komplette Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt und hinterlässt einen sehr hochwertigen und edlen Eindruck, auch der Zylinder, respektive der Griff, der den Akku beherbergt. Dadurch kann Lenovo auf einen herkömmlichen runden und starken Lithium-Ionen-Akku zurückgreifen und ist nicht auf einen ultraflachen, kleinen und platzsparenden Akku beschränkt. Der Hersteller spendiert dem Tablet einen 9000 mAh-Akku, der laut Lenovo eine durchschnittliche Laufzeit mit bis zu 18 Stunden haben soll, abhängig von der Nutzung. Unter realen Bedingungen, beispielsweise bei ständiger Video-Wiedergabe, bietet der Akku bis zu 11 Stunden Power und bei maximaler Helligkeit lässt es sich damit immerhin bis zu 7 Stunden im Internet surfen. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, denn die Kehrseite eines starken Akkus ist die lange Ladezeit. Diese beträgt mit dem beiliegenden Netzteil etwa 5 Stunden. Abgesehen davon ist die Laufzeit für ein Android-Tablet ausgezeichnet und das Yoga Tablet 10 wird damit für alle interessant, die häufig unterwegs sind und dabei nicht auf eine Stromquelle zugreifen können.

Innere Werte

Soweit zu den äußeren Werten, doch wie sieht es mit dem Innenleben des Yoga Tablets aus?
Lenovo verwendet in dem WLAN-Modell einen Mediatek MT8125 Quad-Core-Prozessor mit 1,2 GHz Taktrate und 1 GB Arbeitsspeicher. Als Flashspeicher sind 16 GB verbaut, doch nur etwa 12 GB stehen dem Nutzer davon zur Verfügung. Dieser Speicher lässt sich mittels einer Micro-SD-Speicherkarte um bis zu 32 GB erweitern. Mit dem Prozessor hat sich Lenovo nicht für die aktuellste und leistungsstärkste Variante entschieden. Bei Apps mit einem hohen Leistungsbedarf kann es zu Geschwindigkeitsbeeinträchtigungen kommen. Gleiches passiert bei mehreren gleichzeitig geöffneten Programmen und dem Starten einer weiteren Applikation. Das Yoga mit 3G verwendet den Mediatek MT8389 Quad-Core-Prozessor. Beide Prozessoren basieren auf dem Cortex A7-Prozessor sowie einer PowerVR SGX 544 GPU.

Das Display

Das kapazitive Multitouch-Display im Format 16:10 reagiert schnell und sehr genau. Das Bild ist von einem seitlichen Blickwinkel noch gut zu erkennen. So können Filme mit der Familie oder Freunden zusammen angesehen werden. Die wiedergegebenen Filme laufen flüssig und die Fotos werden scharf und farbenfroh auf dem Display dargestellt. Die Bilder sind kontrastreich und auch an der Helligkeit gibt es nichts auszusetzen. Lediglich die Auflösung des Displays lässt etwas zu wünschen übrig. Denn mit 1280 x 800 Pixel bietet es keine HD-Auflösung und ist für ein 10-Zoll-Tablet mit einer ansonsten guten Ausstattung doch etwas mager. Dennoch überzeugt das Display im Test. Unverständlicherweise hat Lenova dem Gerät auch keinen HDMI-Anschluss verpasst, was ein alternatives Filmvergnügen auf dem Fernseher verhindert. Letztendlich hängt die Frage, ob eine HD-Auflösung notwendig ist, von der individuellen Nutzung des Tablets ab.

Kameras und Konnektivität

Das Yoga besitzt zwei Kameras. Auf der Rückseite ist eine 5 Megapixel-Kamera eingebaut und vorne verrichtet eine 1,6 Megapixel-Kamera den Dienst, was für einen Video-Chat auf jeden Fall ausreicht. Die Fotos der Hauptkamera weisen wenig Bildrauschen auf und sind für ein Tablet in dieser Kategorie in Ordnung. Die Lautsprecher hat Lenovo auf der Tablet-Vorderseite, genauer gesagt im Zylinder, untergebracht und nicht wie ansonsten üblich auf der Rückseite oder seitlich. Audioseitig verwendet das Gerät Dolby Digital Plus und besitzt eine Audiobuchse. Ausgestattet ist es mit WLAN 802.11b/g/n und Bluetooth 4.0 sowie mit einem Micro-USB-Anschluss.

Das Betriebssystem

Das Yoga Tablet arbeitet mit dem Android-Betriebssystem 4.2.2, also Jelly Bean. Das „Wischen“ funktioniert „butterweich“. Es ist von Lenovo nur wenig modifiziert, beispielsweise ist ein anderer Dateimanager installiert und mit dem Kingsoft Office-Paket gibt es einen ebenbürtigen Microsoft-Office-Ersatz gleich mit dazu. Neben GPS und einem Kompass sind ein Helligkeits-, Bewegungs-, Lage- und Beschleunigungssensor vorhanden. Das Lenovo Yoga Tablet 10 ist mit durchschnittlich 7 mm sehr dünn, lediglich am Akku kommt es auf eine Stärke von 21 mm. Die Größe beträgt 26,1 x 18,0 x 2,1 cm.

Das Zubehör

Lenovo bietet unter der Bezeichnung BKC600 eine passende Bluetooth-Tastatur an, die während des Transports als Cover dient und das Display vor Kratzern schützt. Darüber hinaus werden passgenaue Cover in vier Farben angeboten.

Fazit:

Obwohl das Lenovo Yoga Tablet 10 mit 608 Gramm ordentlich Gewicht mitbringt, fällt dieses aufgrund des innovativen und überzeugenden Designs, der sehr guten Haptik sowie der ungewöhnlichen Gewichtsverlagerung überhaupt nicht auf. Das Tablet ist absolut verwindungssteif, sehr hochwertig verarbeitet und lässt sich vielseitig einsetzen. Das Betriebssystem und der Prozessor arbeiten flüssig und schnell, auch wenn der Mediatek Quad-Core nicht der leistungsfähigste Prozessor ist. Das Tablet hat eine fast vollständige Ausstattung und das Display bietet ein gutes Bild mit einer Auflösung von 1280 x 800 Pixel. Wer jedoch HD-Auflösung oder einen HDMI-Anschluss benötigt, ist mit diesem Tablet falsch beraten. Dennoch wird das Yoga seine Käufer finden, denn die fantastische Akku-Laufzeit und die Haptik des Gerätes zu einem Preis von unter 300 Euro sprechen für das Lenovo Yoga Tablet 10 und dessen sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.

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